Vom Popcorn-Protest zum Recht auf Stadt?


Finanzkrise und soziale Bewegungen in Südafrika

von Patrick Bond

Zur Fußball-Weltmeisterschaft, die im Juni beginnt, sind die Augen der Welt auf Südafrika gerichtet. Bislang sieht es nicht so aus, als würde das die Proteste der Armen und Lohnabhängigen dämpfen. Kaum irgendwo sonst auf der Welt gibt es so viel „Protest pro Einwohner“. Seit 2005 zählt die Polizei jährlich mindestens 8.000 „illegale Versammlungen“ einer wütenden städtischen Bevölkerung, die sich auch durch die seit einem Jahr amtierende Regierung Zuma nicht einschüchtern lässt.

Diese Wut hat zum Teil sehr greifbare Anlässe: So wurde im Zuge der WM-Vorbereitungen der Zugang informeller HändlerInnen zu den Innenstädten begrenzt (z.B. in Kapstadt und Durban), BewohnerInnen von Armensiedlungen wurden vertrieben (Kapstadt). Auch die Diskrepanz zwischen den luxuriösen Stadionneubauten und den sie umgebenden Stadtvierteln, in denen sich die Lebensbedingungen überhaupt nicht verbessert haben, hat den Zorn der dortigen Bevölkerung geweckt – zum Beispiel in Riverlea, das an das „Soccer City“ Stadion in Soweto angrenzt. Die zahlreichen Proteste (etwa im Dienstleistungssektor) sind aber auch Ausdruck eines Wachstums mit sozialer Schlagseite, das Südafrika infolge einer neoliberalen Reformpolitik nach dem Ende der Apartheid erlebt hat. Diese breite städtische Unruhe umfasst Proteste gegen die Kommodifizierung des täglichen Lebens – bspw. die Kommerzialisierung öffentlicher Leistungen – und gegen wachsende Armut und Ungleichheit in den Armensiedlungen des Landes. Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise hat die bestehenden und ererbten inneren Widersprüche Südafrikas noch vergrößert und vertieft. (weiter bei analyse & kritik)